Von Worms bis nach Spanien und Senegal

Rückblick 2019

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Ende 2019 leben sie noch in ihren Winterquartieren: Rubi und Olli, besendert 2018, sowie Luca und Niko,
die 2019 ihre Sender erhielten. Dass diese Jungstörche noch am Leben sind, ist aufgrund der hohen Todes-
rate unter Störchen als Glück zu bezeichnen. Die größte Gefahr geht von Stromleitungsmasten aus, doch auch
auf den Mülldeponien (Tiergarten-Rudi starb auf einer solchen in Spanien) sterben viele Störche. Schließlich
erliegen weitere Tiere der Jagd in Afrika. Seit dem Jahr 2015 wurden von Dr. Fiedler (Vogelwarte Radolfzell) in
Rheinland-Pfalz 108 Jungstörche besendert – im November 2019 sind hiervon nur noch 23 am Leben. Die Dokumentation ihres Verbleibs mittels der GPS-Sender hilft, vor allem in Europa Gefahrenquellen zu reduzieren.
Von den im Jahr 2015 besenderten Störchen ist leider nur noch Odysseus am Leben. Im Sommer 2019 sendete er in der Pfalz nur noch sehr unregelmäßig. Anhand seiner Beringungszeichen am Fuß konnte er identifiziert werden. So konnten wir nachverfolgen, dass er in 2019 in der Südpfalz erstmals Junge gezeugt hat.
Die Ausstattung mit diesen hochtechnologischen Sendern auf den Rücken der Vögel ist mit erheblichen
Kosten verbunden. Für Rubi und Niko wurden sie vom Tiergarten Worms und für Olli und Luca vom NABU Worms-Wonnegau übernommen, genauso wie die

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Luca ist noch bequemer. Ihm reichte der Flug zu den bewässerten Feldern Andalusiens im ersten Winter. Ob sie auch zu den Deutschlandrückkehrern gehören werden, werden wir hoffentlich in wenigen Monaten erfahren.

Die Elternstörche des Tiergartens Worms, inzwischen ist das Männchen 26 Jahre alt, gehen kein Fernflugrisiko mehr ein, man kann sie auch im Winter immer wieder zu einer Kurzvisite auf dem Nest stehen
sehen. Sollte die Temperatur auf bis zu minus 15 Grad sinken, sind sie dennoch in der Lage, in wärmere
südliche Gefilde zu fliegen. Die Mutterstörchin legte 2019 fünf Eier in ihr großes Nest. Wohl war eines davon nicht befruchtet und lag noch lange neben den vier
bereits ausgeschlüpften Küken. Eines davon wuchs kaum und starb sehr bald. Ein zweites litt mehr als die anderen an dem vorübergehend kühlen Regenwetter. Man fand es, von den Eltern aus dem Nest geworfen,

am Boden.

Die beiden heranwachsenden besenderten Störche aber hatten dann offenbar mehr als genug zu fressen, so dass Dr. Fiedler beim Wiegen vor der Besendung sogar meinte, dass der Schwerere für den ersten Flug noch abspecken müsste.
Dank des erneuten heißen und trockenen Sommer
2019 gab es wieder gute Nachwuchszahlen, nun sogar schon im zweiten Jahr am Storchenturm in

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jeweilige Patenschaft dieser Tiere.


Unter www.pfalzstorch.de und mit der kostenlosen App „Animal Tracker“ können Sie den Lebensweg unserer Störche verfolgen. Einzig für Forscher vorbehalten, lassen die Signale sogar erkennen, ob der Storch
segelt, die Flügel bewegt, ob er gerade frisst oder läuft. Sogar die Umgebungstemperatur kann im Flug gemessen werden. Aufgrund dieser Daten wissen wir z.B., dass Jungstörche viel schneller und damit kräftezehrender mit den Flügeln schlagen als ältere, erfahrene Störche. Interessant ist, dass bei unseren vier Störchen die Winteraufent haltsorte und auch der erste und zweite Sommeraufenthalt zurück in Europa, örtlich überraschend variierten. Ollis erstes Überwinterungsland war der westafrikanische Senegal, aber der Rückflug ging dann nur bis Nordspanien und diesen Winter verbringt er wieder im Senegal – scheint also fast ein Spanier geworden zu sein. Ruby ist hingegen kräftesparend nur bis Marokko ins Winterquartier geflogen, hat aber dann im Sommer nicht mehr die Pfalz besucht, sondern beflog ruhelos die östlichen Bundesländer zwischen Leipzig und Magdeburg. Jetzt verbringt er erneut kräftesparend den Winter in Nordspanien. Niko und sein älterer Bruder Ruby wählten als erstes Winterquartier Marokko.

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Herrnsheim, nachdem dort Jahrzehnte keine Störche gebrütet hatten. Freuen wir uns daher, dass wir wohl trotz aller Rückschläge einer weiter wachsenden
Population entgegensehen können.
Die Natur reguliert – für uns „erbarmungslos“ – die Zahl des Nachwuchses und es bedarf eines menschlichen Eingreifens, wenn eine Tiergattung
auszusterben droht. Das war der Fall, als in Rheinland-Pfalz 1974 kein brütendes Storchenpaar mehr zu finden
war.1984 wählte der NABU den Storch erstmals zum Vogel des Jahres und wählte ihn zu seinem Wappen-
vogel.

Die große helfende Organisation unserer Region ist das Storchenzentrum von Rheinland-Pfalz in Bornheim bei
Landau, auf Initiative der Aktion Pfalzstorch. Die Storchenscheune in Bornheim und die Ausstellung im
Zentrum des Ortes fasziniert Eltern und Kinder. Kranke Vögel, die das Weiterfliegen nicht schaffen, leben in
der Pflege- und Brutstation.

Der Tiergarten Worms sendet das Leben im Storchennest per Webcam bei Aufruf von „Webcams-Livebilder aus Worms“. Verfolgen Sie nun den
weiteren Lebensweg unserer Patenstörche Olli und Rubi, Luca und Nico mittels der kostenlosen APP “Animal Tracker“ in den kommenden Monaten, hoffentlich Jahren. Unter www.pfalzstorch.de sind die wichtigsten zusätzlichen Informationen nachzulesen.


Die Abenteuer von Olli, Rubi,Niko und Luca

Wormser Tiergarten, 2019

Alles Futter der Storcheneltern konzentrierte sich 2019 nur noch auf zwei Junge, die nun Niko und Luca heißen. Bei der Beringung und Besenderung am 8. Juni wurde entsprechend ein hohes Startgewicht für die ersten Flugübungen ab Mitte Juni erfasst.
Der Drang in den Süden führte bei Luca zum Fernflug nach Nordspanien. Die Reise dauerte von 1. bis 22. August. Vom 10. bis 22. August flog Niko sogar schon bis Südspanien. Dort könnte er in Kürze den Meeresüberflug von Gibraltar nach Marokko wagen.
Die ein Jahr älteren Gebrüder Olli und Ruby vom Wormser Tiergarten verhalten sich in ihrem zweiten Lebensjahr schon ganz anders. Den ersten Winter seines Lebens verbrachte Olli in Westafrika/Senegal und blieb aber diesen Sommer in Nordspanien, wo er herumschweifend jetzt seinen jungen Bruder Luca treffen könnte. Dem weniger weitfliegenden Ruby reichte Marokko für den ersten Winter, doch flog er in

diesem Sommer zurück nach Deutschland und trieb sich im Dreieck München, Leipzig und Magdeburg herum. Auch jetzt, Ende August, reicht ihm immer noch die Gegend nördlich des Bodensees.

Dass alle vier Jungstörche noch leben, ist bei der bisherigen hohen Verlustrate für Jungstörche ein Glücksfall. Die Elternstörche leben weniger gefährlich, denn sie sieht man immer wieder auf dem Nest im Tiergarten. Wir wissen nicht, ob sie überhaupt noch nach Süden fliegen, denn sie sind nicht besendert und waren am 1. Januar dieses Jahres schon wieder am Nest aufgetaucht.
Verfolgen Sie das weitere Schicksal der besenderten Jungstörche über die kostenfreie APP Animal Tracker, zu beziehen über Google oder Appel Store, und neu auch über Facebook (Aktion PfalzStorch e. V.). Unter www.pfalzstorch.de sind die wichtigsten zusätzlichen Informationen nachzulesen.

 


2018 Die Abenteuer von Olli und Rubi

Tiergarten Worms. Jungstörche im Nest besendert
Tiergarten Worms. Jungstörche im Nest besendert
Olli
Olli

Auch in diesem Jahr wurden wieder das Besenderungsprojekt der Aktion Pfalzstorch e.V. und des Max-Planck-Instituts für Ornithologie Radolfszell durchgeführt. Per Webcam ist der GPS-Sender auf dem Rücken der beiden Tiergarten-Jungstörche gut erkennbar.

Rubi ist an der Grenze zwischen Senegal und Mauretanien.
Rubi ist an der Grenze zwischen Senegal und Mauretanien.

2017 Rudi - 7967 km im ersten Lebensjahr

2017 Rudi in Spanien

Der Jungstorch  Rudi aus dem Tiergarten pendelt von einer  Mülldeponie fast täglich zu einem Naturreservat.
Beides bietet  reichlich Nahrung.

Flugroute Rudi auf Karte
Flugroute Rudi. In Februar ist er noch in Nord Spanien

Rudi , der Jungstorch aus dem Besenderungsjahrgang 2016 ist der einzige bis heute überlebende Storch von insgesamt 5 besenderten Jungstörchen aus dem Wormser Tiergarten. Es ist ein Wunder der Natur, die ihm die Gabe schenkte, sogar exakt nach einem Jahr nach seinem Schlupf aus dem Ei das Nest seiner Eltern überfliegen zu können - nach einer Flugreise von 7967 km. Ermöglicht wurde diese Beobachtung durch den vom NABU-Worms-Wonnegau finanzierten Sender auf seinem Rücken. Den ersten Geburts-/ Schlupftag hat er wieder in unserer Gegend verbracht und blieb hier auch bis zum Herbst. Den ersten Winter 2016/17 verbrachte er im südlichsten Spanien und pendelte immer wieder nach Portugal. Aber dieses Jahr (Stand Februar 2018) ist er noch relativ bequem. Nordost-Spanien reicht ihm vorerst, denn eine Deponie und ein sumpfiges Naturschutzgebiet nur 20 km entfernt ist sein fast tägliches Flugpensum.
Auch erstaunlich, wie sein Schlupfzeitpunkt, die letzte Aprilwoche 2016, wieder die selbe Woche in 2017 war, in der seine vier jüngsten Geschwister aus dem Ei schlüpften.

Im Spätsommer des Storchenjahres 2017 flogen drei Jungstörche aus Worms wieder in den gefährlichen Süden aus einem ursprünglich großen Gelege von fünf Eiern.

Die geringe Zahl der Überlebenden nach einem Jahr ist erschreckend. Von 26 besenderten Störche aus 2015 lebt weiterhin nur noch Odysseus, von 22 in 2016 noch 6 und von 12 aus 2017 bisher nur noch 4. Ein Stromschlag in Spanien und die Jagd in Afrika sind die Haupttodesursache. Daher sind wir froh, dass unsere Elternstörche auch diesen Winter hier blieben und in jedem Monat einer das Nest im Tiergarten inspizierte. Rund um den Jahreswechsel 2018 konnte jeder am Storchenschicksal interessierte Papa- und Mamastorch schon wieder zusammen beobachten, dies dank der gestochen scharfen Bilder zu Haus am Computer oder Handybild (Webcam Worms). Verfolgen Sie dort wieder das Wormser Storchenjahr 2018 oder besuchen Sie den Tiergarten.


Rudi zurück in Deutschland

Bild Flugroute bis 4 April
Flugroute bis 4 April