Wanderfalkenschutz am Wormser Dom

Auszeichnung
Auszeichnung

Die Rettung des Wanderfalkens gilt als exemplarisch für erfolgreichen Artenschutz. Das Schutzprogramm bleibt hierdurch untrennbar mit dem NABU verbunden. 1971 begann mit der Kür des Wanderfalkens zum "Vogel des Jahres" die jährliche bundesweite NABU-Aktion, da diese Art in den sechziger Jahren in Deutschland kurz vor dem Aussterben stand. Erst 15 Jahre später, 1986, flogen wieder die ersten Jungvögel in Rheinland-Pfalz von einer Felswand der Südpfalz aus.

Ein Domturm ist für diesen Felsenbrüter gleichsam die ideale Felswand zur Aufzucht seiner Jungen. Der Freude des Wormser Dompropsts Engelbert Prieß an der Natur verdankt der NABU die Möglichkeit, 2005 eine Horstbox in 50 Meter Höhe mit Blick auf den Marktplatz von Worms einzurichten. Die natürliche Wiederansiedlung eines Brutpaares gelang in den Folgejahren. Nach dreijährigem konstantem Bruterfolg mit je 3 Jungen pro Jahr wagte der NABU Worms, eine Beobachtungskamera mit Funkstrecke zu einem großen Monitor im Schaufester am Fuße des Nord-Ost Turms zu installieren.
         

Dank einer großzügigen Spende der Wormser Volksbank als Hauptsponsor, dem Bildschirm von Elektrogeschäft EP Sirimsi und dem Aufstellungsorts des Bildschirms bei Ofen Horn wurde erstmals in Rheinland-Pfalz die Livesendung aus der Kinderstube von Friedrich und Isabella - so wurde das Falkenpaar nach dem berühmten mittelalterlichen Kaiserpaar genannt - ermöglicht.

Das Kaiserpaar Friedrich der II und Isabella hat im Dom 1235 geheiratet. Vom Stauferkaiser Friedrich II stammt das Buch "Über die Kunst mit Vögeln zu jagen" und eine Jagdfalkendarstellung findet man daher in Worms an drei verschieden Orten. Der Wanderfalke ist mit bis zu 300 Stundenkilometer im Sturzflug der schnellste Vogel der Welt. Wegen seiner Kraft, Schnelligkeit und Schönheit wurde er schon vor 4000 Jahren bei Assyrern und Ägyptern verehrt und als "Herrscher der Lüfte" zur Vogeljagd eingesetzt.

 

 

 

Drei Monate lang fanden sich regelmäßig begeisterte Zuschauer vor dem Schaufenster ein, vor dass die Stadtverwaltung sogar eine Sitzbank für ältere Beobachter aufstellte. Immer wieder berichtete auch die Rhein Main Presse Worms über den Brutverlauf, die Beringungsaktion der beiden überlebenden Küken und die Flugakrobatik der Eltern bei der Beuteübergabe in der Luft.

Isabella
Isabella

Am 10. März 2011 wurde das erste Ei gelegt. Aus vier Eiern schlüpften ab 18. April drei Junge, von denen zwei ab 4. Juni auszufliegen begannen.
Die Fütterungswochen und das Flugtraining sind die interessanteste Zeit. So machten die Kleinen bei ihren Landemanövern äußerst unsanfte
Bekanntschaft mit dem harten Gestein und es kam auch zu unkontrollierten Abstürzen, erzwungen durch angreifende Krähen.

Text: Dr. Hilmar Kienzl, 2011
Wir danken den Fotografen Dr. Norbert Rau, Dr. Melanie Mangold und Dr. Hilmar Kienzl für die Verfügungsstellung der Bilder.

Wanderfalkensituation 2016

Die Hoffnung für dieses Jahr war groß, dass das häufig am Dom zu erblickende Wanderfalkenpärchen dieses Jahr Eier legen und brüten wird. Durch die neu eingebaute Kamera mit Internetübertragung der Bilder konnte man zweimal erkennen, das erjagte Vögel im Kasten gerupft worden waren und das es immer wieder Inspektionsbesuche gab. Die Sitzstange vor dem Kasten wurde auch wochenlang häufig als Aussichtsplatz benutzt. Ein erfahrener Falkenspezialist fotografierte sogar eine dritten Interessenten  und knipste Fotos von dem Falkenpaar in Aktionen auf dem Dom, die befruchtete Falkeneier erwarten ließen.

In letzter Zeit sah man zwar weiterhin das Falkenpärchen im Dombereich, jedoch kaum noch im Kasten, so dass jetzt sicher ist, das es diese Jahr noch keine Brut geben wird. Der Falkenspezialist hat hierfür auch eine Erklärung, die sich auch mit meiner Beobachtung deckt.
Der weibliche Falke ist erst eine knappes Jahr alt und wird daher erst nächstes Jahr Eier legen können. Das ergibt sich aus dem für Wanderfalken ungewöhnlich späten Erscheinen erst Ende Februar am Nichtplatz, da Jungfalken ihr erstes Winterjahr im Süden Europas verbringen. Auch aus dem noch braungrauen Rücken- und Flügelfedern des weiblichen Falken an Stelle der später blaugrauen Federn reiferer Wanderfalken.

Wir sind  vom NABU aber nun sehr zuversichtlich, dass nächstes Jahrs dieses Pärchen früher im Jahr schon mit dem Einzug in den Brutplatz beginnt und sind auch sicher, dass die laufenden Restaurierungsarbeiten an dem Helm des Vierungsturms kein Problem mehr sein werden. Vielleicht hatte die Montage des Gerüsts Ende Januar ein reiferes Falkenpaar, das im Winter bei uns verbleibt, vom Bezug des Doms abgehalten.

Damit die nach Pfingsten geplante Anbringung der Fenstergitter im zur Dreifaltigkeitskirche gerichtete Domturm (nordostlich) abschließend angebracht werden können, die verlässlich Tauben vom Einzug in den Turm abhalten werden, haben  wir vom NABU letzte Woche die Kamera vorübergehend abschalten müssen. Sobald die Fenstergittermontage abgeschlossen ist, wollen wir die von der Stadtverwaltung erworbenen Kamera mit Blick auf Worms in Richtung Dreifaltigkeitskirche außen an den Kasten anbringen. Damit wird es bald wieder diesen Internetauftritt, denn man unter webcam worms  aufrufen kann, geben. Die NABU-eigene Kamera, mit der wir zwei Jahre vergebens hofften, wieder brütenden Wanderfalken aus der Dreifaltigkeitskirche zeigen zu können, haben wir für den  weiteren Webcamblick aufs Rathaus, Marktplatz und bis zum Odenwald im Turm der Dreifaltigkeitskirche belasssen.


Dom-Wanderfalken  können zurückkehren

Aus Heidelberg ist bekannt, wann Wanderfalken letztmalig dort gebrütet haben: vor 50 Jahren. Erst  in den achtziger Jahren gelang es, dank des Einsatzes einer Gruppe von Naturschützern, diesen  in Deutschland 1970 schon fast ausgestorbenen edlen Greifvogel in der Stadt Heidelberg wieder heimisch werden zu lassen.
Von Worms ist nicht bekannt, wann ein Wanderfalke seine Küken letztmalig innerhalb der Stadt oder Umgebung aufzog. Den Naturschützern des NABU gelang es, 2008 ein Falkenpärchen durch Einrichtung eines Nistplatzes im Domturm gegenüber der Dreifaltigkeitskirche anzulocken. Von hier flogen 2009 erstmals wieder die jungen Falken  aus diesem Brutplatz über die  Stadt und  die Umgebung. Das Nistangebot im Dom stand dann in den letzten zwei Jahren wegen der Restaurierung des Turmes nicht mehr zur Verfügung. Doch hatten die NABU-Wanderfalkenschützer  sofort,  dank der Unterstützung durch den Gemeinderat der Dreifaltigkeitskirche  und Pfarrer  Volker Fey, zwei  Jahre eine neue Nisthilfe im Turm der Kirche eingerichtet. Leider wurde der neue Wanderfalkennistkasten nicht angenommen. Wahrscheinlich war die „Fensterumgebung“  dem Felsenbrüter zu fremd. Hingegen erscheint der Dom für die Falken  wie ein Felsgebirge, so dass wir sicher sind, dass in diesem oder nächsten Jahr wieder ein Falkenpärchen in dem nun wieder freigelegten Turm brüten wird.

Wanderfalken wurden schon wieder gesichtet. Für die Möglichkeit, wieder in einem der Turmfenster den Nistkasten einzubauen, sind wir Probst Tobias Schäfer, wie schon früher  Propst Engelbert Prieß, sehr dankbar. Die bisher genutzte Kamera, eine Spende der Volksbank  Alzey-Worms, mit Webcam-Blick über den Marktplatz bis  hin zum Odenwald, haben wir auf  der Dreifaltigkeitskirche  auf Wunsch von Daniel Körbel von der Internetredaktion der Stadt belassen. Zum Ausgleich erhielten wir von der Stadt auf Leihbasis eine neue Kamera. Diese wird wieder am Dom,  zuerst mit Blick in den Nistkasten, nach der Brutsaison ab Juni als weitere innerstädtische Webcam gerichtet auf die Dreifaltigkeitskirche einen Blick auf Worms bieten. Zum Schutz der wunderbar restaurierten Steine des Domturmes haben wir mit großem Aufwand eine völlig neue “Herberge“ konstruiert, die nun auf einer Verschmutzung verhindernden Metallfläche befestigt ist.
Wir hoffen jetzt für lange Zeit wieder den faszinierenden, im Sturzflug  schnellsten Vogel der Welt auch  mit seinen Jungen über der Stadt kreisen zu sehen. Immerhin finden wir den Wanderfalken abgebildet  in Worms  am Hauptportal des Domes in Stein gemeißelt auf dem Arm eines Edlen, an der Rathausfront und am Schicksalsrad in der Wilhelm- Leuschner Str. in Bronze  sitzend auf dem Arm Kaisers Friedrich II in Worms 1235.
22.01.2016