Nistplatz für Dohlen an der Pfeddersheimer Talbrücke

Bericht Wormser Zeitung

 

Nistkästen an Bäume hängen bringt den NABU-Aktiven nicht mehr den erhofften Nervenkitzel. Deshalb steigen die Naturschützer immer höher hinauf. Sie bringen Nisthilfen an Trafohäuschen an und befestigen Wanderfalkenkästen am Wormser Dom oder der Dreifaltigkeitskirche. Nun schlug die „Rentnerbande“ an ganz besonderer Stelle zu: Sie brachten an der Pfeddersheimer Talbrücke in Schwindel erregender Höhe 40 Nistkästen für Dohlen an. Das war nötig geworden, weil die vom Vogel des Jahres 2012 selbst gewählten Nistplätze in den sogenannten „Übergangskonstruktionen“ der Autobahnbrücke entfernt werden mussten, da diese das Bauwerk

schädigten. In den letzten Jahren hatte sich am Betonbauwerk eine rund 40 Paare umfassende Kolonie entwickelt. Als der NABU Worms von der geplanten Maßnahme erfuhr, bot er dem zuständigen Autobahnamt nicht nur seine fachliche Unterstützung an. Die Naturschützer schlugen sogar vor, die Nistkästen zu beschaffen und auf den Pfeilern anzubringen. Das Autobahnamt nahm das Angebot dankend an und am 23. Januar 2014 war es dann so weit. Zwar ließ das Wetter leider kein rheinhessisches Toskana-Gefühl aufkommen, doch es war zumindest trocken, wenn auch nur anfangs.


Auf der Baustelle angekommen und von umher fliegenden Dohlen begrüßt, entschieden alle Beteiligten vor Ort, wo die Dohlenkästen angebracht und wie sie nach oben transportieren werden sollten. Zur Wahl standen eine lange Treppe und ein langer Weg durch das Innere der Autobahnbrücke, oder die ca. 10 kg schweren Kästen gleich an den richtigen Pfeilern mittels Seilen nach oben zu ziehen. Die Entscheidung fiel zugunsten des mühsamen Weges der Kästen über die Außenwand der Brückenpfeiler. Erst schien das Vorhaben sehr mühsam zu werden. Der Einsatz eines zweiten Klettergeschirrs erleichterte die Arbeit durch eine provisorische Hebevorrichtung jedoch sehr.

Unter den wachsamen Augen von Herrn Herold, dem für Naturschutz zuständigen Mitarbeiter der Autobahnverwaltung, lief nach einer ersten Einarbeitungsphase dann alles schneller als gedacht.
Alle der sechs NABU-Aktiven hatten ein

geradezu alpines Gefühl. Da das Hinaufklettern im Autobahnpfeiler nicht jedermanns Sache war, verblieben einige NABU-Leute am Boden und verrichteten dort wichtige Dienste. Derweil schraubten die NABU-Monteure die Kästen auf die Bodengitter. Eine wesentliche Erleichterung bei der Durchführung bedeutete jedoch viel Arbeit im Vorfeld: Dieter Kern hatte eine spezielle Konstruktion zur Befestigung entwickelt und zusammen mit Horst Pirschel und Klaus Rupprecht an allen 40 Nistkästen angeschraubt.

Am Ende staunten wir über unser Werk: Es war geschafft und alle Dohlenkästen befanden sich an der richtigen Stelle. Hoffentlich werden die Dohlen unsere Arbeit zu schätzen wissen. Karte

Übrigens waren wir nicht nur Rentner. Zwei der Teilnehmer hatten das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht.